150 Jahre Feuerwehr - ein Rückblick bis ins Jahr 1860
Bereits im Jahre 1859 ergriffen einige Wehrer Bürger zusammen mit dem damals
amtierenden Bürgermeister Franz Xaver Nägele die Initiative, eine Feuerwehr zu
gründen.
Schon im folgenden Jahr, am 12. Februar 1860 wurde dann die Wehrer Feuerwehr
ins Leben gerufen. Innerhalb weniger Jahre wies der Mannschaftsstand 143 Personen auf.
Erster Kommandant war Karl Ludwig Trefzger, der entsprechend der militärischen
Organisation der Wehr den Titel eines „Feuerwehrhauptmannes“ trug.
Die bisherige Organisation der allgemeinen Feuerwehrpflicht wurde damit nicht
völlig abgeschafft. Alle, nicht der Feuerwehr angehörenden wehrpflichtige Bürger,
wurden auch weiterhin von der Gemeinde erfasst und bildeten im Einsatz eine Reserve
als Rettungsmannschaft, auf deren Dienste man aber bald nicht mehr angewiesen war.
Durch die Freiwillige Feuerwehr, die sich regelmäßig in Übungen auf den Ernstfall
schulte, war nun eine viel wirksamere Brandbekämpfung gewährleistet.
Die Gemeinde unterstützte die Feuerwehr mit den nötigen Uniformen und Geräte.
So kam die Freiwillige Feuerwehr Wehr bereits im ersten Jahr ihres Bestehens
zu einer Feuerlöschspritze.
Die vierrädrige Spritze wurde im Juli 1860 bei dem Mechaniker B. Kirsch in Freiburg
für 1650 Gulden erworben.
Im Jahre 1863 erfolgte dann auch die Gründung des Landesfeuerwehrverbandes Baden,
dem die Feuerwehr Wehr seit der Gründung angehört.
Wie schon erwähnt, war die Organisation des Militärs zum Vorbild für die Ordnung der
Feuerwehr geworden. Man legte großen Wert auf Disziplin und Ordnung, auf die auch in
unserer ersten Satzung großes Gewicht gelegt wurde.
Ungeachtet der Freiwilligkeit wurden Verstöße z.B. gegen Disziplin, Fehlen bei
Proben
und Einsätzen erst mit Verweis bestraft, im Wiederholungsfall dann mit
Geldstrafe, die der
Feuerwehr zuflossen. Dadurch konnten neue Geräte angeschafft werden.
Wer ein Amt ablehnte (z.B. Hauptmann), konnte mit einer Geldstrafe bis zu 25 Gulden
(heute etwa 250 €) belegt werden.
Während der Gründerzeit umfasste die Wehrer Feuerwehr 4 Züge:
1.
Die Rettungsmannschaft,
bestehend aus Steigern und Austrägern.
Ihre
Aufgabe war vordringlich die Rettung von Mensch und Tier,
sowie Räumung des Brandobjektes von Gegenständen.
2. Die Spritzenmannschaft, bestehend aus Schlauchfahrern, Pumpern, Wasserleuten und Buttenträgern.
3. Die Arbeitsmannschaft,
die je nach Bedarf dem 1. oder 2 Zug zugeteilt wurde.
4.
Die Wachmannschaft,
zur Aufsicht über gerettete Gegenstände und zur Aufrechterhaltung
der Ordnung und Sicherheit am Einsatzort.
Es war jedem verboten zu sprechen, sobald angetreten oder gearbeitet wurde (1. Satzung)
Franz Ehinger, letzter Dirigent der damaligen Enkendörfler Musikkapelle beschloß 1860, dass die
gesamte Kapelle der Feuerwehr als Feuerwehrmusik beitritt.
Im Herbst 1903 kam es zu Unstimmigkeiten, die schließlich zum Austritt verschiedener guter Musiker
führten. Als Folge dieser Mißstimmigkeiten entstand am 21.05. 1904 ein zweiter Musikverein in Wehr,
die „Harmonie“.
Am 12.10.1906 wurden beide Musiken zu der „Feuerwehr Harmonie Wehr“ zusammengeschlossen.
Im Jahre 1943 verstarb der langjährige Dirigent Emil Strobel. Mit seinem Tod stellte die
Feuerwehrharmonie ihre Tätigkeit vorläufig ein. Aus der „Feuerwehr Harmonie Wehr“ entstand
dann die Gemeindekapelle Wehr, die von der Feuerwehr losgelöst war.
Nach den Kriegen 1870/71 kam es zwischen dem Kommandanten Matern Leber und dem
damaligen Bürgermeister zu Meinungsverschiedenheiten, deren Ursache nicht bekannt sind.
Der Bürgermeister meldete daraufhin voreilig die Auflösung und Neugründung der Wehr an das
Bezirksamt. Dieses gab die Angelegenheit an die Landesregierung weiter. Dies wäre nicht
notwendig gewesen, denn die Sache konnte schnell bereinigt werden.
Aufgrund dieses Zwischenfalls setzte die Regierung 1871 als Gründungsjahr der Freiwilligen
Feuerwehr fest.
1894 wurde die Satzung neu gefasst. Dabei mussten die Strafen der Markwährung angepasst
werden. Z.B. unentschuldigtes Fehlen: 1-5 Mark, Fehlen bei Bränden: 10 Mark.
Die Aufgabe der Feuerwehr während des Krieges 1914-1918 war die Bahnwache,
Ausbildung der rasch aufgestellten Hilfstruppe sowie Wartung und Pflege des Materials
und der Geräte.
Nach dem Krieg kam für die Feuerwehr eine harte Zeit. Geldentwertung und die
Uniformmüdigkeit der Menschen als Folge des verlorenen Krieges setzten der Wehr zu.
Trotzdem wurde der Wiederaufbau der Feuerwehr in Angriff genommen.
An der Generalversammlung am 8. März 1919 zählte die Feuerwehr 152 Mitglieder
und im Rahmen der Möglichkeiten wurde das Material ergänzt.
1925 wurde eine Sirene installiert, im Herbst des gleichen Jahres konnte der Schlauch-
Steigerturm seiner Bestimmung übergeben werden und am 9. September 1926
traf die erste Motorspritze (Daimler-Benz) ein.
Weitere Beschaffungen wurde 1926 durch den Gemeinderat getätigt:
1 Schlauchtrockenturmaufzug 2500 Mark
1 Motorspritze 6000 Mark
1 Schubleiter 1200 Mark
500 m Schläuche 1200 Mark
1 Gerätewagen 250 Mark
60 Tuchröcke 2700 Mark
160 Mützen 560 Mark
Die Handdruckspritze wurde verkauft.
Anfang 1940 war auch in der Feuerwehr der Krieg zu spüren.
Viele Wehrmänner wurden zu den Waffen gerufen.
Der Krieg brachte auch einige Neuerungen in die Wehr.
So wurde Luftschutzdienst, Wehrschießen und Streifendienst in die Tätigkeit mit
einbezogen. Die Sirene wurde nur noch als Warnung bei Luftgefahr eingesetzt und
die Feuerwehr wurde wie damals mit Hornsignal alarmiert. Als Ausrüstung wurden
Schaumlöscher und Gasmasken eingeführt.
Um die personellen Probleme zu lösen, griff man auf ehemalige Mitglieder zurück
und stellte junge Leute aus der Staatsjugend ein.
Am Schlussdes Krieges zählte die Feuerwehr Wehr auch 60 weibliche Mitglieder.
Nach dem Krieg zählte die Mannschaft noch 74 Mitglieder. 20 Wehrleute waren
im Kampf gefallen.
Die erste Generalversammlung am 18.Mai 1946 wählte Oskar Kolofrat, Blechnermeister
zum neuen Kommandanten.
Beim 100-jährigen Jubiläum der Wehr im August 1960, überreichte der damals amtierende
Bürgermeister Eugen Schmiedle, der zum Abschluss seiner Rede den Dank der Bevölkerung
an die Wehr mit einem Geschenk überbrachte welches in der Feuerwehr schon sehnlichst
erwartet wurde. Eine nagelneue Anhängeleiter AL 18. Diese wurde während des Banketts
in das Festzelt gefahren.
Noch im selben Jahr wurde die neue Anhängeleiter zum ersten Mal eingesetzt.
Bei einem Zimmerbrand in der Todtmooserstrasse erlebte sie ihre Feuertaufe.
Am 31.10.1963 hatte die Feuerwehr wieder einen Grund zum Feiern, denn in
Eichstetten konnte man ein neues LF16 TS übernehmen, für das man lange
Auseinandersetzungen mit dem Gemeinderat durchzustehen hatte.
Bei einem Waldbrand im Gewann Sonnhalde eineinhalb Jahre später
war es diesem Fahrzeug zu verdanken, dass es nicht zu einer Katastrophe kam.
Mit der freiwilligen Eingemeindung von Öflingen nach Wehr wurde1972 die dort selbstständige
Feuerwehr der Feuerwehr Wehr angeschlossen.
Nun war es eine vordringliche Aufgabe die Neuerstellung der Gerätehäuser, denn sowohl
in Wehr als auch in Öflingen platzten die Unterstellmöglichkeiten aus allen Nähten.
Eine Neuerung für die Kameraden waren die neuen Schutzanzüge, welche die bis dahin verwendeten
Kombis ersetzten. Die neuen Anzüge konnten bei der ersten gemeinsamen Schauübung
am 13. Oktober 1972 beim Bahnhofsplatz vorgestellt werden.
Bei der ersten gemeinsamen Ausschusssitzung wurde die Beschaffung eines TLF beigestimmt
sowie der Standort der beiden neuen Gerätehäuser in Wehr und Öflingen ausgewählt.
Im Jahre 1969 gründete Otto Senger (damaliger Kommandant) die Jugendfeuerwehr.
Seine Absicht war es, nicht nur den Nachwuchs für die Wehr zu verbessern, sondern auch
das Interessen der Jugendlichen an dieser Organisation nachzukommen.
Die Ausbildung der Jugendlichen lag in den Händen von Rudi Eller, der nach seiner Wahl
zum Kommandanten 1971 die Gruppe an Manfred Gutmann abgab.
Seit dieser Zeit gab es bereits einige Jugendleiter, die sich mit der Ausbildung der
Jugendlichen abgaben. Seit 2009 ist nach Sabine Bibbo sowie Elk-Lars
Haberer
nun Franco Siragusa
für die
Jugendarbeit
verantwortlich.
Schweren Herzens trennte man sich am 9. März 1974 vom alten LF8 dem beliebten
„Jonathan“, der für 500.- DM nach Altenschwand verkauft wurde.
Dafür konnte der Wehr neun Tage später das neue LF16 vorgestellt werden.
1975 löste auch die stille Alarmierung über Funk die Sirenenalarmierung ab. Die Kosten von
ca. 180.000,- DM überwogen die Vorteile einer stillen Alarmierung.
2004 - 2006 wurde die analoge Alarmierung in 3 Etappen gegen die digitale
Alarmierung getauscht.
Die Alarmierung ist nun vom Funkkanal getrennt, was eine erhebliche Entlastung
bringt.
Am 1. April 1977 konnte nach 18-monatiger Bauzeit das lang ersehnte Gerätehaus an der
Austrasse seiner Bestimmung übergeben werden.
Freundschaften mit anderen Wehren
Im Herbst 1975 war die Feuerwehr Wehr Ausrichter des Fahrzeugturniers auf Kreisebene.
An diesem Turnier beteiligte sich auch eine Gruppe aus Koblenz / CH. Seit dieser Zeit
Sind die Kameraden aus Koblenz gern gesehene Gäste bei der Wehrer Feuerwehr und sie
fehlen nie auf unserem jährlichen Manöverball, dem Höhepunkt der gesellschaftlichen
Ereignisse im Jahresablauf der Abteilung Wehr.
Bei der Einweihung des neuen Gerätehauses 1977
wurde auch eine Delegation aus der
Partnerstadt Bandol (FR) erwartet. Am Anfang stand man dieser Begegnung etwas
skeptisch
gegenüber, vor allem der Sprache wegen. Doch bereits nach dem ersten gemeinsamen
Abend
stellte sich heraus, dass dies überhaupt kein Problem war.
Ebenfalls im Jahre 1977 begann eine weitere Freundschaft. In jenem Jahr erreichte uns eine
Karte aus Wehr an der Mosel. Der dortige Wehrführer Gerhard Gries fragte an, ob es möglich
sei, dass die Feuerwehr einen Ausflug in den Schwarzwald unternehmen und in Wehr Station
machen könnte. Dem wurde sofort zugestimmt und im Herbst traf ein Bus mit 45 Personen ein.
Den Gästen aus Wehr an der Mosel wurde ein abwechslungsreiches Programm geboten.
Nach drei Tagen trennte man sich schweren Herzens. Doch schon im folgenden Jahr
startete ein Bus mit 22 Mann in Richtung Mosel, um ebenfalls ein dreitägiges Pensum zu
absolvieren. In den darauf folgenden Jahren wurden die Freundschaften immer mehr
vertieft.
2007 wird das30-jährige Bestehen der Freundschaft in Wehr/Mosel gefeiert.
Zu unserem 140-jährigen Bestehen im Jahr 2000 wurde mit allen oben erwähnten Partnerwehren
im Oktober der jährlich stattfindende "Manöverball" im großen Stil gefeiert.
Mit dem immer höher werdenden Verkehrsaufkommen stieg auch die Zahl der Verkehrsunfälle.
Dabei wurde immer deutlicher, dass die Feuerwehr Bedarf an einem Rüstwagen hatte.
Der Stadt fiel es schwer die nötigen Mittel für den RW1 bereitzustellen.
1982 wurde der Feuerwehr ein LF 16 über den Katastrophenschutz zugeteilt und ein Jahr später
konnte auch der RW1 in Dienst gestellt werden.
Das Fahrzeug wurde Ende 2006 außer Dienst gestellt. Als Ersatzfahrzeug wurde ein HLF 20/16 beschafft.
Es ersetzt gleichzeitig seit 2010 unser LF 16-TS, dass für aber weiterhin zu
Ausbildungszwecken (Maschinisten-Lehrgang)
dem Landkreis Waldshut erhalten bleibt.
Im Jahre 1985 feierte die Feuerwehr Wehr ihr 125-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass
wurde auch eine Drehleiter DL 23/12K, in Dienst gestellt.
Im Februar 1994 wurden die bereits bestehenden Umweltzüge West und Ost teilweise unter
Einbeziehung von Werksfeuerwehren neu organisiert. Die Feuerwehr Wehr gehört mit der
Feuerwehr Bad Säckingen und der Werksfeuerwehr Novartis zum Umweltzug West
des Landkreises Waldshut. Seit 2009 agiert der Umweltzug unter dem Namen ABC-Zug.
Die Feuerwehr Wehr hat in jüngster Vergangenheit, nämlich im Jahr 2000 und 2004,
das Goldene Leistungsabzeichen jeweils mit 2 Gruppen erlangt.
In 2004 wurde zum ersten Mal mit 2 gemischten Gruppen beider Abteilungen das
Abzeichen errungen.
Seit 2008 versucht sich nun eine weitere Gruppe an den Leitungsabzeichen.
Bronze und Silber waren kein Problem, Gold kommt (hoffentlich) in diesem Jahr
dazu.
Das 150-jährige Jubiläum -
18.bis 21.Juni 2010:
Im Juni dieses Jahres ist es soweit, dann steigt unser Jubiläumsfest im
Ludingarten der Stadt Wehr, nahe dem Rathaus und der Stadthalle.
Verbringen Sie
dieses Wochenende in Wehr und erleben Sie mit uns ein weiteres, unvergessliches Kapitel im
150-jährigen Bestehen der Feuerwehr Wehr.